Was unterscheidet eigentlich einen Arabica- von einen Robusta-Kaffee und ist Robusta wirklich so schlecht wie sein Ruf?

Kaffee sollte möglichst biologisch angebaut, fair gehandelt und selbstverständlich 100% Arabica sein, oder? So könnte man zumindest meinen, wenn man sich heutzutage im Discounter nach Kaffee umschaut. Aber was hat es eigentlich mit den Begriffen "Arabica" und "Robusta" auf sich, und ist Robusta wirklich der minderwertigere Kaffee?

Zunächst einmal handelt es sich bei unseren Kaffeebohnen um die Kerne der traubengroßen Früchte des Coffea-Baumes, einem strauchartigen Gewächs mit dünnen Stamm und einer Vielzahl von Ästen, auf denen sich je nach Art die Früchte mal in Clustern zusammenfinden oder aber gleichmäßig verteilen. Inzwischen wurden über 120 verschiedene Arten des Kaffeebaumes entdeckt, deren Kaffeebohnen sich in Geschmack und sogar dem Mundgefühl bzw. Körper erheblich unterscheiden können. Für den Weltmarkt wirtschaftlich relevant sind jedoch lediglich die beiden Arten Coffea Arabica und Coffea Canephora, die zusammen etwa 99% des Welthandels ausmachen, wobei auf Canephora etwa 40% entfallen. Die restlichen 1% setzen sich größtenteils aus lediglich in wenigen Ländern lokal kultivierten Kaffeearten zusammen, wie beispielsweise in Zentralafrika den Coffea Liberica Excelsa.

Besser bekannt ist der Canephora unter dem Brandnamen Robusta, was aber etwas ungenau ist, da es sich beim Robusta eigentlich nicht um die Art selbst sondern um eine Sorte bzw. Varietät des Coffea Canephora handelt, die noch dazu lediglich einen verschwindenen Anteil des weltweiten Canephora-Anbaus ausmacht. Auch wenn die Bezeichnung Robusta folglich botanisch gesehen falsch ist, verwenden ihn sowohl die Börsen als auch Organisation wie der Deutsche Kaffeeverband oder die International Coffee Organisation wenn sie vom Canephora sprechen, weswegen es sich sogar in den meisten Anbauländern bereits eingebürgert auf die Angabe der exakt angebauten Varietät zu verzichten und stattdessen lediglich von Robusta zu sprechen.


Arabica

Der Arabica-Kaffee besitzt seinen Ursprung in Äthiopien, wo er durch natürliche Kreuzung der beiden Arten Coffea Canephora und Coffea Euginoides entstanden ist. Bis heute wurden über 80 verschiedene Sorten bzw. Varietäten des Arabica-Kaffees identifiziert, die man entsprechend ihrer Abstammung in Typica- und Bourbon-Varietäten unterscheidet. So handelt es sich beispielsweise bei der bekannten Sorte Maragogype, die wegen seiner nahezu doppelt so großen Bohnen auch Elefantenbohne genannt wird, um eine Typica-Varietät.

Arabica wird vorrangig in Höhen zwischen 800 und 2500 Metern angebaut, bevorzugt Durchschnittstemperaturen von 18 bis 25 °C und benötigt knapp 1000-2000 mm Niederschlag pro Jahr um optimal zu gedeihen. Gerade Frost oder aber Temperaturen über 30 °C können für ihn jedoch absolut tödlich sein und auch auf eine zu hohe Luftfeuchtigkeit reagiert der Arabica schnell empfindlich.

Die Arabica-Bohne ist im Vergleich zum Robusta eher oval, schlank geformt und ihr Schnitt weist einen S-förmigen Schwung auf. Sie enthält mit bis zu 1,7% einen niedrigeren Koffeingehalt und zeichnet sich zumeist durch feine, fruchtige Noten aus, die mit einen höheren Säuregehalt einhergehen. Bei den Kaffeekonsumenten wird er vor Allem aufgrund seines in der Regel feineren, komplexeren Aromas bevorzugt, welches eine enorme Bandbreite abdeckt, die angefangen bei floralen Noten wie Jasmin oder Zimt, über fruchtige Noten wie Orange oder Erdbeere bis hin zu dunkleren Noten von Nüssen oder Schokolade reicht.


Robusta

Der Robusta- oder genauer Canephora-Kaffee kommt aus Zentral- und Westafrika, wo sich zwei verschiedene Linien, die Guineische und die Kongolesische, entwickelt haben. Entsprechend ihrer Namen finden sich Vertreter der Guineischen Linie hauptsächlich in Guinea und rund um die Elfenbeinküste und diejenigen der Kongolischen im Kongo und Zentralafrika.

Varietäten des Canephora zeigen sich weniger empfindlich gegen Krankheiten, Schädlingen, Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit, was der Sorte Robusta wohl ihren Namen eintrug. In aller Regel wird Robusta auf Höhen bis zu 900 Metern bei einer Durchschnittstemperatur von 26 °C angebaut. Aber auch er reagiert empfindlich auf sehr viel höhere Temperaturen, vor allem wenn die Luftfeuchtigkeit zu niedrig wird, weswegen man für den Anbau auch Gebiete mit knapp 1500 bis 2000 mm Niederschlag pro Jahr bevorzugt.

Im Vergleich zum Arabica bilden Canephora-Pflanzen etwas größere, länglichere Blätter aus und ihre Bohnen sind rundlicher und weisen einen geraden meist nur wenig geschwungenen Schnitt auf. Robusta enthält zwar mehr Bitterstoffe als Arabica, besitzt dafür aber auch doppelt so viel Koffein und nur etwa halb so viel Zucker und Fette. Gerade in Espresso-Mischungen ist er gerne gesehen, da er eine sattere, dickere und beständigere Crema ausbildet.

Eine der verbreitesten Varietäten des Canephoras ist der Conillon, der gerade in Brasilien den Großteil des Canephora-Anbaus beherrscht. Auf Grund seines schlechten Rufs als minderwertiger Kaffee verschrien wird er dort meist schlampig angebaut, geerntet und verarbeitet, wodurch sich sein - so sagt man - typisch muffig, modriges Aroma nach Asche und Asphalt entwickelt. Die Formel zum rechten Verkauf lautet dann, mit unreifen Arabica-Bohne mischen, um durch die Säuren die Bitterstoffe zu kompensieren und möglichst dunkel rösten, um die schlechten, aber nebenbei auch die erwünschten Aromen thermisch zu vernichten. Wenn das alles noch nicht reicht kann man ja noch immer zu Milch und Zucker greifen.

Der Robusta ist also einer unfairen Abwärtsspirale unterworfen. Stiefmütterlich behandelt weist der Robusta bestenfalls einen herb-bitteren Geschmack auf, was ihn seinen heutigen schlechten Ruf eingebracht hat. Auf Grund seines schlechten Rufs wird es wiederum nicht für nötige befunden, bei seinem Anbau Sorgfalt walten zu lassen, was zur Bildung von noch mehr Fehlaromen führt. Heute weiß man jedoch, dass Robusta-Kaffee durchaus gut schmecken kann und das sogar pur. So weisen Ernten aus Brasilien von hochqualitative Conillon beispielsweise Noten von Karamell, Cognac, Malz, Bananen oder sogar Datteln und Feigen auf, je nachdem wie diese angebaut und vor allem aufbereitet wurden.


Fazit

Woran erkennt man nun also beim Einkauf den perfekten Kaffee? Auf diese Frage kann man leider keine erschöpfende Antwort geben. Nach dem Lesen dieses Artikels sollte Ihnen jedoch klar sein, dass der Aufdruck 100% Arabica mit Nichten eine Qualitätsaussage ist, sondern pures Marketing. In einer Packung mit 100% Arabica können eine Vielzahl der verschiedensten Arabica-Varietäten enthalten sein, die sich alle in Geschmack und Aroma unterscheiden, und eine Mischung mit bspw. 40% Robusta muss nicht unbedingt nach Gummi oder Asche schmecken, denn ein sorgfältig angebauter Robusta steht einem Arabica in nichts nach.